Trauerrede “Der unbekannte Tutor”

Wie stk bereits berichtete, veranstalteten die Informatikstudenten der Uni Ulm am Dies Academicus eine Trauerfeier (Bild) anlässlich der gestrichenen Tutorenstellen. Hier die Trauerrede, die mir ausgesprochen gut gefallen hat:

Wir sind bestürzt über den viel zu frühen, unnötigen und sinnlosen Verlust unserer 30 unbekannten Tutorinnen und Tutoren.

Sie sind die Opfer einer Verwaltung, der das Denken in festen Budgettöpfen wichtiger zu sein scheint als die optimale Versorgung ihrer Studierenden. Sie sind Opfer eines Landes, das seine wichtigsten “Rohstoffe”, nämlich Bildung und Wissen, so wenig schätzt, dass es die Universitäten als Quelle dieser Ressourcen nicht mehr ausreichend finanziell würdigt, und stattdessen wortlos auf die eingeführten Studiengebühren verweist — wohl wissend, dass diese schon längst nicht mehr nur ihrem gesetzlich vorgeschriebenem Zweck, der Verbesserung der Lehre, dienen, sondern zu einem nicht unwesentlichen Teil zur Erhaltung des Status Quo VOR ihrer Einführung beitragen müssen. Und sie sind die Opfer eines Kuhhandels, mit dessen Hilfe die Studiengebühren einmal mehr nicht nur zu ihrem verbrieften Zweck, sondern als Lückenfüller, unter anderem für ausufernde Energiekosten eingesetzt werden.

Aus diesem Grund trauern wir heute auch um all die Studiengebühren, die in schwarzen Löchern verschwinden: In den Kaminen der Universität, und im ominösen Ausfallfonds, dessen Aufbau und Verwendungszweck nicht einmal, wie im Landeshochschulgebührengesetz gefordert, der studentischen Prüfung unterworfen wird.

Unsere Tutoren, und auch unsere zweckentfremdeten Studiengebühren, ohne die unsere Grundversorgung wohl gar nicht mehr möglich wäre, sind auch Opfer eines Verwaltungssystems, in dem jede Instanz die Verantwortung von sich weist und auf andere zeigt. Und so müssen wir uns fragen: Wenn niemand verantwortlich ist — ist dann das hier einfach Vorsehung? Teil eines größeren Planes? Oder, schlicht und einfach, verantwortungslosigkeit?

Diese Fragen bringen unsere Tutoren für das Sommersemester nicht mehr zurück. Wenn wir uns ihnen stellen, gewinnen wir aber vielleicht ein wenig Ehrlichkeit und Verantwortung zurück.

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